Montag, 8. August 2011

[Rezension] Isaac Marion - Mein fahler Freund

Inhalt:
R ist ein Zombie. Er weiß nicht wann er verwandelt wurde oder von wem. Er hat keine Erinnerung an sein früheres Leben. Nur der erste Buchstabe seines Vornamens ist ihm geblieben. So wie die anderen Zombies verbringt er die meiste Zeit seines untoten Daseins damit zu stehen, zu stöhnen und gelegentlich auf die Jagd nach Menschenfleisch zu gehen. Auf einem dieser Raubzüge trifft er auf Julie und verliebt sich auf unerklärliche Weise in sie. Blöd nur, dass er kurz zuvor das Gehirn ihres Freundes gegessen hat...

Eindruck:
Das mit Abstand Herausragendste an diesem Buch ist die Sprache! Unglaublich, wie oft es Isaac Marion gelungen ist mich mit den Gedanken R's zu überraschen und zum Nachdenken zu bringen. Denn R ist zwar ein Zombie, dem es unsagbar schwer fällt, Worte zu formulieren. Doch vor Gedanken quillt er geradezu über: Gedanken über seine Existenz, das Dasein als Zombie, die Menschheit, wann und warum die Welt den Bach runter gegangen ist und noch vieles mehr. Seinen Thesen zu lauschen fand ich unglaublich faszinierend. Mit solch einer Komplexität hätte ich vorher gar nicht gerechnet. Denn anhand des Klappentextes und vor allem des Covers habe ich mich auf eine etwas bizarre und leicht zu lesende Zombie-Geschichte eingestellt.
 Die sonderbare Liebesgeschichte zwischen Julie und R wird ich auch wunderbar erzählt. Da R's Gedanken quasi nie still stehen erfährt man sehr viel über seine neuen und ungewohnten Gefühle zu Julie und erlebt die Entwicklung der beiden, vor allem aber die Entwicklung R's hautnah mit. Und - nicht, dass ich je gedacht hätte so etwas einmal zu schreiben - aber gerade diese ungewöhnliche Entwicklung R's wurde sehr glaubhaft dargestellt.
 Doch "Mein fahler Freund" ist weit mehr als nur eine  Liebesgeschichte. Denn durch die Beziehung R's zu Julie werden die altbekannten Gesetze sowohl in der Zombie-Welt als auch in der Welt der Menschen plötzlich in Frage gestellt und es gibt auf beiden Seiten Strömungen, die mit allen Mitteln jegliche Veränderung verhindern wollen.
Schließlich gibt es noch einige Szenen, die man einfach nur eklig nennen kann. Es war schon recht widerlich in großer "Liebe" zum Detail zu lesen, wie sich Zombies über Menschen hermachen. Aber nun gut - kein Horror-Buch ohne Splatter-Szenen. ;)
Einziger Kritikpunkt, der das Buch dann auch seinen fünften Stern gekostet hat, ist, dass sich die Handlung stellenweise sehr gezogen hat. So interessant es auch war, den Gedanken R's zu lauschen und seine vorsichtige Annäherung an Julie zu beobachten. Manchmal hätte ich mir einfach etwas mehr Action gewünscht.

Fazit:
"Mein fahler Freund" ist ein wahrhaft ungewöhnlicher Zombie-Roman mit einer wundervollen Liebesgeschichte.


Cover und Titel:
So toll das Buch ist, das Cover gefällt mir überhaupt nicht! Meiner Meinung nach wird dadurch, dass lediglich R und Julie auf dem Cover abgebildet sind und dabei von einem mehr als unpassenden Stephenie Meyer Zitat umrahmt werden, das eigentliche Thema vollkommen verfehlt. Denn "Mein fahler Freund" ist wesentlich mehr als eine simple Liebesgeschichte wie Cover und Zitat suggerieren. Wer sich das Buch also anhand des Covers aussucht, kann nur enttäuscht werden.


Ich danke dem Klett-Cotta Verlag und "Blogg dein Buch" für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

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Gebundene Ausgabe: 298 Seiten
Verlag: Klett-Cotta
ISBN-13: 978-3608939149 



Gelesen im Rahmen der BUCHSalat-Challenge: „Genre Horror

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