Samstag, 17. September 2011

[Rezension] Arnaldur Indridason - Abgründe




Inhalt:
Island im Jahr 2005: Die Wirtschaft boomt und isländische Banker erlangen durch clevere Finanzgeschäfte weltweite Aufmerksamkeit und Anerkennung. Als einer dieser Banker von einer Steilklippe stürzt, sieht alles zuerst nach einem unglücklichen Unfall aus.
Ein paar Monate später wird eine Frau von einem Schuldeneintreiber zu Tode geprügelt. Sigurdur Oli ermittelt in beiden Fällen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, außer eines: Geld!


Eindruck:
"Abgründe" ist bereits der 10. Kriminalroman der Kommissar-Erlendur Reihe. Für mich war es allerdings sogar der erste Roman überhaupt von Arnaldur Indridason. Verständnisprobleme hatte ich jedoch keine, was vielleicht zum Teil daran lag, dass der Roman nicht, wie sonst üblich, aus Sicht von Kommissar Erlendur geschrieben ist, sondern von seinem Kollegen Sigurdur Oli handelt. Meines Wissens finden sich in diesem Buch auch keine Spoiler zu vorherigen Bänden und so war es für mich als eine Art Einzelkrimi außerhalb der Reihe sehr gut lesbar.
Der Großteil der Handlung wird aus der Sicht Kommissar Olis geschildert, wodurch man viel über sein Privatleben, seine gescheiterte Ehe und sein schwieriges Verhältnis zu seinen Eltern erfährt. Aber gerade dadurch, dass die Gedankenwelt Olis so detailliert beschrieben wird,  merkt man auch schnell, dass man es hier mit keinen dieser glatten und perfekten Krimi-Helden zu tun hat. Nein, ganz und gar nicht. Denn Sigurdur Oli macht es einem durch seine sture, zynische, leicht arrogante, abfällige und zum Teil sehr selbstgefällige Art nicht gerade leicht, ihn sympathisch zu finden. Bis zum Ende habe ich es nicht geschafft, mich mit der Figur anzufreunden. Aber das war auch gar nicht nötig. Denn auch so war es sehr spannend, ihn auf seinen eher unkonventionellen Ermittlungswegen zu begleiten.
Der Kommissar tappt eher zufällig mitten in einen Mordfall hinein, der zuerst sehr gewöhnlich scheint. Doch seine Nachforschungen ziehen schließlich immer weitere Kreise bis in die Chefetagen großer Bankkonzerne hinein. Auf ruhige Erzählweise werden Lügen und kriminelle Machenschaften Schicht für Schicht aufgedeckt, bis am Ende nur noch die schockierende Wahrheit übrigbleibt, die alle verzweifelt zu verheimlichen versucht haben. Das alles ist trotz (oder vielleicht gerade wegen) fehlender Actionszenen sehr spannend zu verfolgen.
Zusätzlich zu diesem Fall gibt es noch einen weiteren Erzählstrang. Er handelt von einem Mann namens Andres, einer gescheiterten Existenz, der einen alten Mann, in seinen Augen ein Monster, gefangen hält.
Wie dies alles miteinander zusammenhängt, ist am Anfang nicht einmal ansatzweise ersichtlich. Aber Arnaldur Indridason gelingt es am Ende perfekt alle losen Fäden miteinander zu verbinden und zu einem logischen und zugleich schockierenden Abschluss zu bringen.  

Fazit:
"Abgründe" ist ein starker und vor allem überzeugender Kriminalroman, der aktuelle Entwicklungen Islands mit einer spannenden Handlung kombiniert und so zu einem  großartigen Leseerlebnis wird!

Spielzeit: 220 Minuten
ISBN-13: 978-3833727825


Ich danke dem "Bastei Lübbe" Verlag und "Blogg dein Buch" für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

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