Dienstag, 13. September 2011

[Rezension] Nicolet Steemers - Todgeweiht

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Inhalt:
Vor zwei Jahren kam Alines Schwester bei einem tragischen Unglück auf der Insel Ameland ums Leben. Seitdem versucht sie die Ereignisse der Unfallnacht zu verdrängen. Dann aber beschließt ihre Familie, die Asche auf Ameland zu verstreuen und Aline ist gezwungen zum Unglücksort zurückzukehren. Dort angekommen kann sie sich nicht länger vor der Vergangenheit verstecken.

Eindruck:
Zuerst einmal vorneweg: Obwohl "Kriminalroman" auf dem Cover steht, handelt es sich keinesfalls um einen Kriminalroman. Das ist wichtig zu wissen, wenn man nicht wie ich, mit völlig falschen Erwartungen an das Buch herangehen möchte. Obwohl das Cover nahelegt, dass es sich vielleicht um einen Thriller handeln könnte, trifft auch nur das bedingt zu. Denn für einen Thriller gibt es viel zu wenige Spannungs- und Nervenkitzel-Momente. Die Bezeichnung, die bei "Todgeweiht" am zutreffendsten ist, ist wohl die eines düsteren Familienromans mit Spannungselementen. Denn von Beginn an legt Nicolet Steemers großen Wert darauf, die einzelnen Familienmitglieder und ihre Beziehungen zueinander vorzustellen. Nach und nach wird so das Bild der scheinbar perfekten Familie widerlegt und eine ganze Menge an großen Problemen aufgedeckt.
Da ich allerdings die ersten 200 Seiten damit beschäftigt war die Spannung zu suchen, gelang es mir nicht so recht, mich auf dieses Psychogramm einzulassen. Als ich mich dann irgendwann damit abgefunden hatte, dass ich sie wohl auch auf den letzten 100 Seiten nicht finden würde, nahm das Buch plötzlich etwas (wirklich nur etwas!) an Geschwindigkeit und Dramatik auf. Zu allem Übel ist große Geheimnis, das am Ende offenbart wird, leider gar keines. Denn das, was zum Schluss als große Auflösung präsentiert wird, konnte sich der aufmerksame Leser schon nach den ersten 100 Seiten grob zusammenreimen. Ich habe zwar bis zur allerletzten Seite gehofft, dass es vielleicht doch noch eine andere, überraschendere Auflösung gibt - aber nein, Fehlanzeige.
Auch die Personen blieben mir das komplette Buch über völlig fremd. Obwohl die Geschichte aus der Perspektive von Aline erzählt wird, bin ich mit ihr einfach nicht warm geworden. Und die anderen Figuren wirkten allesamt wie Statisten, die krampfhaft und klischeeüberladen in Szene gesetzt wurden: die eifersüchtige kleine Schwester, die selbstverliebte große Schwester, der süße, kleine Bruder, die fügsame Mutter und der Vater, der Patriarch. Das war mir einfach zu glatt, zu einfach angelegt, so dass man viel zu schnell zu wissen glaubt, worauf die ganze Geschichte hinauslaufen wird.

Fazit:
Ein mittelmäßiger Krimi/Thriller/Familienroman, der nicht so recht weiß, was er eigentlich sein will, dem es an Spannung und vor allem an einem ausgefeilten, überraschenden Ende fehlt. (2-3 Sterne)


Cover:
Das finde ich klasse: Schön stimmungsvoll, fängt es die düstere Atmosphäre der Insel ein.

Verlag: Knaur TB
Taschenbuch: 336 Seiten
ISBN-13: 978-3426503911

1 Kommentar :

  1. Schade, klang eigentlich sehr interessant, das Buch...Eine schöne Rezension, sehr ausführlich - erstmal werde ich mir dieses Werk wohl nicht zulegen ;)

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