Samstag, 19. November 2011

[Rezension] S. G. Browne - Schicksal

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Inhalt:
Sergio - besser bekannt unter dem Namen "Schicksal" ist schwer genervt: Seit über 250.000 Jahren ist es seine Aufgabe, den Menschen passende Schicksale zuzuweisen und muss doch ein fürs andere mal mit ansehen, wie sie von ihrem vorbestimmten Pfad abweichen und ihr Leben zum Schlechteren wenden.
Doch dann verliebt er sich in die attraktive Sara, die schon kurz darauf beginnt, ihn zu sehr von seinen eigentlichen Aufgaben abzulenken und ihn auf Ideen bringt, die unweigerlich zu großen Problemen mit Jerry - besser bekannt als Gott - führen werden...

Eindruck:
Das erste, das einem an „Schicksal“ auffällt, ist der ungewöhnlich flapsige Erzählstil, der Wortwitz und die mit Ironie gespickten Gedanken Sergios – besser bekannt als Schicksal. Gleich die ersten Seiten beginnen mit den - auf den ersten Blick - sehr lustigen philosophischen Überlegungen Sergios, die mich oft zum Lachen gebracht haben. Doch was er erzählt, ist nicht nur lustig, sondern regt auch zum Nachdenken an. Sätze wie: „Auf der Bühne kriecht eine zierliche Brünette mit Brustwarzenpiercings und noch nicht diagnostiziertem Gebärmutterhalskrebs auf Händen und Knien auf uns zu.“ (Schicksal und Misserfolg in einem Striptease-Klub) haben mich mehr als einmal tief durchatmen lassen. Doch nachdem mich solche Sätze zuerst sehr schockierten, habe ich mir irgendwann gedacht, dass seine Gesellschaftskritik zwar durchaus angebracht ist – zumindest in den USA und weiten Teilen Europas und Russlands. Doch wacht Schicksal nicht über die komplette Menschheit? Was ist mit den Schicksalen der Bewohner armer Länder? Ihr Weltbild wird in dem Buch leider völlig unter den Tisch gekehrt. Stattdessen scheint es so, als bestünde die ganze Welt aus konsumsüchtigen, fehlgeleiteten US-Bürgern.
Zu Beginn des Buches hadert Sergio mit genau diesem „Schicksal“: Seiner Aufgabe, sich um eben diese konsumsüchtigen, durchschnittlichen Menschen zu kümmern. Und neben Sergio gibt es noch eine ganze Menge weiterer unsterblicher Wesen, die die Menschen leiten, in Versuchung führen und zum Guten oder zum Negativen beeinflussen. So spielen neben Schicksal in dem Buch auch Bestimmung, Tod, Völlerei, Faulheit, Wahrheit und viele Weitere Übernatürliche eine wichtige Rolle. Doch diese Vielzahl an Personen macht die Geschichte auch leicht unübersichtlich.
Nachdem ich auf den ersten 100 Seiten noch unendlich begeistert von der Originalität S. G. Brownes war, ließ meine Euphorie später – unter anderem - aufgrund der schon genannten Punkte immer mehr nach. Auch ein roter Faden war über lange Zeit nicht erkennbar. Irgendwann war ich kurz davor, „Schicksal“ fürs Erste beiseite zu legen. Doch dann geschah etwas Entscheidendes und für mich Unvorhersehbares, das die Geschichte in eine vollkommen neue und spannende Richtung lenkte. Am Ende war ich dann froh, im etwas zähen Mittelteil nicht so schnell aufgegeben zu haben.
Aber der Schluss... Tja, sehr abstrus und definitiv Geschmackssache. Für mich war es etwas „too much“. Zu abgedreht ... mehr kann ich leider nicht sagen, ohne zu spoilern. Aber ich bin sicher, dass er viele zumindest erstaunen wird – ob er nun gefällt oder nicht.

Fazit:
Trotz einiger Schwächen konnte mich "Schicksal" besonders durch seinen Witz und seine Originalität überzeugen. Somit vergebe ich 4 von 5 Punkten.


Verlag: Droemer
Taschenbuch: 416 Seiten
ISBN-13: 978-3426226049

1 Kommentar :

  1. Das Buch möchte ich auch noch unbedingt lesen - und es klingt ja echt gut ;) Schöne Rezension!

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