Samstag, 21. Januar 2012

[Rezension] Arnaldur Indriðason - Frevelopfer

Inhalt:
In einer Wohnung in Reykjavík wird ein toter Mann aufgefunden. Alles deutet auf Mord durch eine vertraute Person hin. Als die Vergewaltigungsdroge Rohypnol in seiner Jackentasche entdeckt wird, ahnt Kommissarin Elinborg, dass diese Tat ein Racheakt für ein grausames Verbrechen sein könnte...

Eindruck:
Das Grundproblem, dass ich mit diesem Buch hatte, ist, dass es mir an kaum einer Stelle naheging. Und das bei einem Thema, auf das ich normalerweise überaus sensibel reagiere.
Beginne ich mal bei der Kommissarin: Erlendur, der eigentliche Hauptkommissar dieser Reihe, ist verschollen und nun steht seine Kollegin Elinborg im Mittelpunkt der Ereignisse. Doch das ganze Buch über blieb sie mir seltsam fremd, blass und leider auch etwas schwach. Obwohl neben dem eigentlichen Kriminalfall auch ihre Familie vorgestellt wird und die Probleme mit ihren Kindern beschrieben werden, konnte ich mich mit ihr einfach nicht anfreunden. Dann beginnt das Buch auch noch sehr zäh. Nach dem Leichenfund reiht sich Zeugenbefragung an Zeugenbefragung. Zudem wird ein zu großer Fokus auf Familienthemen und sonstige Dinge gelegt, die vom eigentlichen Fall ablenken. Da der Großteil der Seiten aber nur aus Dialogen besteht und kaum etwas beschrieben wird, konnte sich keinerlei Atmosphäre entfalten. Zudem empfand ich die einzelnen Befragungen als sehr eintönig und langatmig. Daran hat sich den Großteil des Buches auch nichts geändert. Erst ganz zum Schluss ist es meiner Meinung nach dem Autor gelungen dem Leser nahezubringen, welches Leid den Opfern von Vergewaltigungen widerfährt und wie schwer es ist, solch traumatische Erlebnisse zu verarbeiten. Denn auch wenn im Buch beschrieben wird, wie lasch solche Verbrecher bestraft werden, fehlt auf weiten Strecken der eigentliche Bezug zu den Opfern. Und das finde ich sehr schade. Denn dieses Thema hat es verdient mehr Beachtung zu finden, damit mehr Menschen begreifen, dass sich in unserem Rechtssystem dringend etwas ändern muss.
Auch im direkten Vergleich zu "Abgründe", dem 10. Krimi von Indridason, hat "Frevelopfer" sehr schlecht abgeschnitten. Hat mich in Abgründe die spannende und vielschichtige Umsetzung eines aktuellen Themas in Island restlos überzeugt, empfand  ich "Freveleopfer" dagegen als große Enttäuschung. Allerdings kenne ich die ersten 8 Bücher um Kommissar Erlendur noch nicht, habe mir aber sagen lassen, dass diese richtig gut sein sollen. Also werde ich es demnächst einfach mit einem der früheren Krimis versuchen.

Cover:
Die neuen Cover für diese Reihe finde ich sehr gelungen: Das frostige Weiß mit der schwarzen Schrift passen richtig gut zu den Island-Krimis.

Fazit:
Im Gegensatz zu "Abgründe" war "Frevelopfer" für mich eine große Enttäuschung. Ein wichtiges Thema wurde einfach zu zäh und langatmig umgesetzt. Schade!


Verlag: Bastei Lübbe
Taschenbuch: 384 Seiten
ISBN-13: 978-3404166114

Reiheninfo:
  1. Menschensöhne
  2. Todesrosen
  3. Nordermoor
  4. Todeshauch
  5. Engesstimme
  6. Kältezone
  7. Frostnacht
  8. Kälteschlaf
  9. Frevelopfer
  10. Abgründe

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