Samstag, 26. Mai 2012

[Rezension] Stephan Ludwig - Zorn - Tod und Regen

Inhalt:
In einer Kleinstad, die bisher nur natürliche Todesfälle kannte, geschehen zwei brutale Morde. Hauptkommissar Zorn, der seinen Job nur widerwillig macht, hat zuerst kaum Motivation die Fälle zu lösen. Ganz im Gegensatz zu seinem Kollegen Schröder, der sich überaus pflichtbewusst an die Ermittlungen begibt.  Doch als Zorn merkt, dass jemand ihn austricksen will, wird er so richtig wütend und klemmt sich an die Fersen des Mörders, dem die ersten zwei Morde noch lange nicht genug sind...  


Eindruck:
Das mit Abstand Gewöhnungsbedürftigste an diesem Kriminalroman ist Hauptkommissar Zorn. Ich habe ja schon von einigen schlechtgelaunten, mürrischen und trübseligen Ermittlern gelesen. Besonders im nordischen Raum sind diese ja sehr beliebt. Aber Zorn übertrifft wirklich alle. Und dies nicht im positiven Sinne. Er ist so gelangweilt, ja fast angewidert von seinem Job, dass ich mich frage, warum er ihn nicht schon lange an den Nagel gehängt hat. Und diesen Unwillen über 300 Seiten lang miterleben zu müssen war wahrlich kein Fest. Für mich war Zorn auch nicht einer dieser mürrischen Menschen, die, wenn man sie besser kennenlernt, dennoch liebenswert sind, sondern er hat tatsächlich keinen besonders guten Charakter. Nun denn, es wird zwar versucht, diesen Eindruck im Verlauf des Buches abzumildern, aber meine Meinung konnte das nicht mehr ändern. Dieser Hauptkommissar ist zutiefst unsympathisch.

Ganz im Gegensatz dazu steht sein Kollege Schröder für Pflichtbewusstsein und Effizienz. Es halten ihn zwar viele für einen dicken Trottel. Doch ist das eine große - für manche sogar fatale - Fehleinschätzung. Denn wenn man ihn besser kennenlernt, merkt man, dass er ein knallharter Ermittler ist. Dieser Schröder war mir im Gegensatz zu Zorn gleich von Beginn an sehr sympathisch.

Den Kriminalfall, mit dem es die beiden zu tun bekommen, fand ich sehr interessant. Es bleibt lange im Dunkeln wer der Täter ist und welches Motiv er haben könnte. Und durch viele unerwartete Wendungen bleibt man als Leser stets bei der Sache und verfolgt die Handlung gebannt mit. So sind die Seiten trotz meiner Abneigung gegenüber Zorn auch im Nu verflogen. Schade finde ich allerdings, dass einige Szenen so überaus brutal sind. Ich persönlich empfinde detailliert beschriebene Folterszenen einfach nur unnötig. Ich frage mich immer, warum solch exakte Gewaltbeschreibungen nötig sind. Und Krimis, die auf solche Stilmittel verzichten, stehen bei mir eindeutig höher im Kurs.

Das Ende schließlich bietet einen spektakulären sowie spannenden Showdown, der zwar etwas übertrieben wirkt, mich aber dennoch gut unterhalten hat. Die Auflösung des Kriminalfalls wirkte auch etwas konstruiert, aber trotzdem glaubhaft und für einen Krimi recht zufriedenstellend.  

Fazit:
Der erste Fall für das Ermittlerteam Zorn und Schröder bietet kurzweilige Unterhaltung und einen Hauptkommissar, an den ich mich erst gewöhnen muss. Der Folgeband "Vom Lieben und Sterben" wird schon Ende dieses Jahres erscheinen und von mir definitiv eine Chance bekommen.


Verlag: Fischer
Taschenbuch: 368 Seiten
ISBN-13: 978-3596193059

Reiheninfo:
  1. Tod und Regen
  2. Vom Lieben und Sterben (erscheint im Oktober 2012)



Gelesen im Rahmen der Challenge: Deutschsprachige Autoren

Kommentare :

  1. Hmm, lesen oder nicht lesen? :D Klingt ja total interessant, aber mit unsympathischen Hauptfiguren komme ich meist nicht wirklich gut zurecht...
    Nun, ich werde mal schauen - wie immer eine schöne Rezension!

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  2. @Katja: Dank dir! :)

    @Sonne: Bei diesem Buch weiß ich echt nicht, ob ich's nun weiterempfehlen soll oder nicht ... es gibt ja einige, die die Art von Zorn im Gegensatz zu mir tatsächlich witzig finden ... hm. Schwierig. Einfach mal ausprobieren, würd ich sagen! ;) Ich werd mal schauen, ob sich meine Beziehung im Herbst zu Zorn verbessert, wenn der zweite Fall erscheint. :D

    Liebe Grüße,
    Steffi

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