Samstag, 25. August 2012

[Rezension] Simon Beckett - Verwesung

Inhalt:
Jerome Monk - ein hünenhafter Mann, der allein schon durch seine Erscheinung Furcht verbreitet - gesteht zwar den Mord an 4 jungen Frauen, doch deren Leichen werden nie gefunden. Daran kann auch die Mithilfe des forensischen Anthropologen David Hunter nichts ändern. Acht Jahre später gelingt Monk die Flucht aus dem Gefängnis. Eine verzweifelte Suche nach ihm beginnt. Doch Monk kennt sich in den Mooren Dartmoors weit besser aus als jeder andere...

Eindruck:
Der neue Thriller von Simon Beckett beginnt vielsprechend! Die Handlung setzt acht Jahre in der Vergangenheit an - also vor dem Unfall seiner Familie. David Hunter wird zu einer Ausgrabungsstätte gerufen und begegnet dort nicht nur schwierigen Kollegen, sondern auch dem Serienmörder Monk. Der Autor versteht es gleich von Anfang an eine düstere Atmosphäre aufzubauen, die durch die nebelige Moorlandschaft, in der die Ausgrabungen stattfinden, noch verstärkt wird. Auch allerhand Beschreibungen von Verwesungsgraden, Leichenzuständen etc. tragen zur gruseligen Grundstimmung bei. Ich war somit auf den ersten 50-100 Seiten sehr optimistisch, es endlich wieder mit einem richtig spannenden "Simon Beckett"-Roman zu tun zu haben. Doch da habe ich mich leider getäuscht. Je weiter die Ereignisse voranschreiten, desto mehr rutscht die Geschichte ins Mittelmäßige ab. Und das liegt an einer Vielzahl an Faktoren:

Die Charaktere! Die sind so eindimensional gestrickt, dass kein einziger mich im Handlungsverlauf überraschen konnte. Komplexe Charaktere sucht man leider vergebens. Jeder handelt genau so wie ich es von ihm erwartet hätte und Klischee reiht sich an Klischee. Die Handlung ist leider ebenso einfach gehalten wie die Charaktere. Wenn sogar jemand wie ich - und ich bin wirklich nicht gut im Kombinieren! - frühzeitig errät, auf was das Ganze hinauslaufen wird, ist das wirklich kein gutes Zeichen für einen Thriller. Dabei schreitet die Geschichtean sich flott voran. Sie vermag nur leider nicht mit überraschenden Wendungen oder wirklich Thriller-Elementen zu überzeugen. Stattdessen ist alles viel zu vorhersehbar. Und Vorhersehbarkeit ist doch das Todesurteil eines Thrillers schlechthin. Auch den Schreibstil kann ich nicht loben. Die Einfachheit der Sätze führt lediglich dazu, dass man trotz der flachen Handlung flott vorankommt. Und das ist doch auch etwas.

Letzten Endes habe ich dem Buch trotz meiner Enttäuschung 3 Sterne gegeben, was daran liegt, dass die Geschichte an sich nicht schlecht ist. Ich  bin gut vorangekommen und wollte bis zum Schluss wissen, welchen Abschluss die Ereignisse finden. Das Problem des Buches ist einfach seine Mittelmäßigkeit: Eine mittelmäßige Idee, ein mittelmäßiger Spannungsbogen, mittelmäßig ausgearbeitete Charaktere... eben ein mittelmäßiger Thriller.

Nun frage ich mich, ob sich die Bücher nun von mal zu Mal verschlechtern oder ob sich stattdessen mein Geschmack verändert hat. Waren die "David Hunter"-Romane schon immer so vorhersehbar? War die Sprache immer schon so "einfach"? Habe ich zwischen den einzelnen Thrillern zu viele andere (evtl. bessere Thriller) gelesen? Oder stimmt tatsächlich die Aussage eines Arbeitskollegen: "Kennst du einen Simon Beckett, kennst du alle!"?
So oder so - sollte es einen 5. Band der Reihe geben, werde ich mir auch diesen kaufen. Denn die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt!

Fazit:
Nur für Fans der "David Hunter"-Reihe bedingt empfehlenswert!

Verlag: rororo
Taschenbuch: 448 Seiten
ISBN-13: 978-3499248665

"David Hunter" - Reihenfolge:
  1. Die Chemie des Todes (engl. "The Chemistry of Death")
  2. Kalte Asche (engl. "Written in Bone")
  3. Leichenblässe (engl. "Whispers of the Dead")
  4. Verwesung (engl. "The Calling of the Grave")

Kommentare :

  1. Ich sehe das ganz ähnlich wie du. Ich fand das Buch zwar nicht schlecht, aber irgendwie hatte ich mir doch mehr erhofft.
    Für mich kam noch dazu, dass von diesen anthropologischen Aspekten, die ich in Chemie des Todes und Kalte Asche noch sehr mochte, nicht mehr viel übrig war. Das hatte David Hunter zu was besonderem gemacht, aber irgendwie war mir das bei Verwesung und auch schon in Leichenblässe zu wenig.
    Aber auch ich kann nicht sagen ob sich mein Geschmack bzw mein Anspruch evtl verändert haben oder ob die Qualität tatsächlich abgenommen hat!?

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  2. Ich liebe David Hunter und werde mir das aufjedenfall auch holen :)Schöne rezension.


    alles liebe
    sarah ♥

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  3. Mir ging es ähnlich wie dir. Ich hatte mir von dem Buch viel mehr erhofft und wurde schon sehr enttäuscht. Ich fand es vor allem Schade, dass Simon Beckett fast vollständig auf die anthropologischen Aspekte verzichtet hat, die seine früheren Bücher ausgezeichnet haben. Ich denke aber, dass die Qualität der Reihe abnimmt und nicht dass seine Bücher generell alle nicht so gut sind. Die ersten fand ich noch wirklich spitze und auch ziemlich unvorhersehbar.

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