Samstag, 27. Oktober 2012

[Buchvorstellung] Gabriella Engelmann - Weiß wie Schnee, Rot wie Blut, Grün vor Neid

Eindruck:
Vor diesem Buch habe ich lediglich einen anderen Roman von Gabriella Engelmann gelesen: Den Frauenroman "Lügst du noch oder liebst du schon?", der unter dem Pseudonym Rebecca Fischer veröffentlicht wurde und mir immer noch in guter Erinnerung ist. Bei vielen anderen Buch-Bloggerinnen erfreuen sich aber vor allem die Märchen-Bücher der Autorin großer Beliebtheit. Man kann schon fast von einem "Hype" reden, der auch an mir nicht spurlos vorübergegangen ist. Nun bin ich dank einer Wanderbuchrunde bei lovelybooks zu diesem "mörderischen Schneewittchenroman" gekommen und kann die große Begeisterung vieler Leserinnen nicht so ganz nachvollziehen.

Zuerst zu den positiven Dingen: Die Einarbeitung der Märchenelemente in die Geschichte ist meiner Meinung nach ganz wundervoll gelungen. "Schneewittchen" ist der Spitzname der jungen Sarah, die nicht nur mit ihrem ebenholzfarbenen Haar, den roten Lippen und der blassen Haut an die gleichnamige Märchenfigur erinnert. Auch ihr restliches Leben weist einige Parallelen auf: Da wäre zum einen die böse Stiefmutter, die von Neid zerfressen dem armen Schneewittchen das Leben zur Hölle macht. Und zum anderen sind da die sieben (bis acht) "Zwerge", die Sarah im Kampf gegen die böse Stiefmutter zur Seite stehen. Der Verlauf der Geschichte erinnert immer wieder an die Märchenvorlage. Aber dank einer Menge guter Ideen und die Verlagerung in die heutige Zeit ist Gabriella Engelmann dennoch eine ganz eigene, fantasievolle Geschichte gelungen.

Was mir persönlich gar nicht gefallen hat, war die "Liebesgeschichte" zwischen Sarah und Felix. Auch wenn es für Märchen typisch ist, dass die zwei Hauptpersonen ohne besonderen Grund in plötzlicher Liebe dahin schmelzen, erschien mir dies hier einfach unglaubwürdig und viel zu plötzlich. Die zwei sehen sich ein paar Mal, haben ein(!) einziges eher verkorkstes Date und schon wird von "Liebe" gesprochen? Ich weiß nicht. Das ging dann leider doch alles ein bisschen zu schnell.

Generell denke ich, dass ich nicht gerade zur Zielgruppe gehöre: Die Einfachheit der Sprache, die Geradlinigkeit der Geschichte, die klare Trennung von Gut und Böse, das alles spricht natürlich primär junge Leserinnen ab 11 (oder so) an. Auch die Spannungselemente sprechen wohl eher Jugendliche an bzw. bringen wohl primär diese zum Mitfiebern. Und wie schon bei den Arena-Thrillern, sollte ich vielleicht endlich akzeptieren, dass solche Jugendbücher nichts für mich sind; auch wenn ich das persönlich sehr schade finde, da ich gerne mehr von diesen modernen Märchen lesen würde.

Fazit:
Eine süße Verlagerung des bekannten Märchens "Schneewittchen und die sieben Zwerge" in die heutige Zeit, die aufgrund der Einfachheit der Sprache und der Vorhersehbarkeit der Geschichte aber wohl hauptsächlich jüngere Mädchen anspricht. Da ich aber gern mehr von Gabriella Engelmann lesen möchte, werde ich mir wohl bald ihren Roman "Nur lieben ist schöner" zulegen.



Verlag: Arena
Taschenbuch: 261 Seiten
ISBN-13: 978-3401067704

Kommentare :

  1. Kann deine Meinung vollkommen nachvollziehen, auch wenn es mir besser gefallen hat! Mich hat aber voll allem das Ende etwas gestört. Den Arena-Thrillern kann ich übrigens auch nichts abgewinnen ;)

    LG Anni

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  2. Super Rezi! Ich habe dieses andere Schneewittchen vor einiger Zeit mal als Hörbuch angefangen, aber nie beendet. Nach einigen Kapiteln hatte ich einfach die Lust verloren - aus deinen eben genannten Gründen und leider war die Synchro von Sarah für mich ziemlich nervenaufreibend. Dadurch wirkte für mich alles irgendwie zu überspitzt. Ich kann aber auch gut verstehen, wenn es bei anderen/jüngeren Lesern besser ankommt.

    LG, Reni

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  3. @Annie: Was hat dich denn am Ende gestört? Ich fand's ja auch nicht so toll. Sehr übertrieben ... unrealistisch .. hm ... halt wie im Märchen. ;)

    @Reni: Hast du noch mehr der Märchen-Bücher gelesen/gehört? Oder ist es bei dem einen Buch geblieben?
    Bin grad schon ein bisschen enttäuscht, weil die in so vielen Blogs ja in den höchsten Tönen gelobt werden. Nun denn ... Geschmäcker sind halt verschieden^^
    Und eine nervige Stimme geht bei Hörbüchern ja gar nicht! Hab bei meinem aktuellen Hörbuch auch so einen Fall. *Brrrrr* ;)

    lg, Steffi

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  4. Hey Steffi,

    nein, es ist bisher bei dem einen (Hör)Buch geblieben. Der Reiz war für mich einfach weg, noch mehr solcher Geschichten lesen/hören zu wollen und irgendwie war der Schreibstil + Humor nicht ganz nach meinem Geschmack. Und ja, diese sind halt wirklich verschieden. Ich habe auch schon mitbekommen, dass Engelmanns Bücher sehr gut bei den Bloggern ankommen, auf diesen Zug mag ich dann mal ausnahmsweise nicht aufspringen. Welches Hörbuch liegt dir denn schwer in den Ohren?

    LG, Reni

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  5. @Besagtes Hörbuch habe ich fast geschafft! Es ist "Schattenstill" von Tana French und mit seinen 23 hörstunden alles andere als ein Hör"genuss" für zwischendurch. :D
    Hm, wie soll ich das beschreiben? Der Sprecher hat eine sehr eindringliche Stimme und es gelingt ihm einfach zu gut die Arroganz des Ermittlers zu vermitteln. Fast schon unerträglich... Frauenstimmen spricht er zudem leider in so ner nervigen Krächsstimme. Alles in allem nicht sehr angenehm...

    lg, Steffi

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