Sonntag, 20. Januar 2013

[Buchvorstellung] Ysra Sigurðardóttir - Todesschiff

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Eindruck:
"Todesschiff" lässt all das vermissen, was ich an "Geisterfjord" (*zur Rezension*) so geliebt habe. Weder die Handlung noch die Charaktere konnten mich von sich überzeugen. Und zu allem Übel war von dem Zauber Islands leider auch kaum etwas zu spüren.

Zuerst einmal zur Handlung: Eine Luxusyacht wird führerlos in den Hafen von Reykjavik gespült. Von der Besatzung und den Passagieren fehlt jede Spur. Was ist den sieben Menschen zugestoßen?

Von Anfang an bin ich nicht in diese Geschichte hinein gekommen. Das Thema klingt zwar sehr interessant und die Auflösung des Rätsels am Ende des Buches ist durchaus plausibel und hätte zu einem spannenden und unheimlichen Plot verwoben werden können. Aber weder habe ich mich gegruselt, noch die Handlung mit Spannung verfolgt. Das lag an vielerlei Gründen. Sätze, Ereignisse etc., die eine düstere Stimmung erzeugen sollten, klangen meistens so "gewollt", so künstlich, dass ich diese einfach nicht ernst nehmen konnte. Die Dialoge waren größtenteils so gestelzt und hölzern, dass mir auch das Verfolgen dieser immer schwerer fiel. Und dann kam noch hinzu, dass die Charaktere so farblos und blass blieben, dass ich mit keinem wirklich mitfühlen konnte. Da ist zum Beispiel die Rechtsanwältin Dóra, die im ständigen Clinch mit ihrer Sekretärin liegt (die Schilderung dieser merkwürdigen Beziehung war der mit Abstand nervigste Teil des Buches) und die einem als Hauptperson bis zum Ende fremd bleibt. Auch zu der Familie auf dem Schiff kann man keinerlei Beziehung aufbauen, da diese dazu viel zu knapp beschrieben werden. ( Nachtrag: Gerade habe ich von Anja in einem Kommentar erfahren, dass dies der 6. Teil einer Serie ist! Kein Wunder also, dass ich vieles aus dem Privatleben von Dóra nicht so recht verstanden habe. Das ändert allerdings nichts daran, dass die Charakterzeichnung für mich zu flach und farblos war - vor allem die der Schiffspassagiere )
Wenn denn wenigstens der Spannungsfaktor anständig ausgearbeitet gewesen wäre. Aber sogar das Angsthäschen in mir ist bis zum Ende cool geblieben und hat sich nicht ein einziges Mal mitgefiebert. Zudem war von dem herben Charme Islands in diesem Roman rein gar nichts zu spüren. Tatsächlich hätte er genauso gut in jedem beliebigen anderen Land spielen können.

Fazit:
Leider eine einzige Enttäuschung. Kein Vergleich zu dem für mich perfekten Thriller "Geisterfjord".


Taschenbuch: 416 Seiten
Verlag: Fischer Taschenbuch
ISBN-13: 978-3596194933

Kommentare :

  1. Schade, dass Dir das Buch nicht gefallen hat, aber mit "Geisterfjord" hat es auch gar nichts zu tun. Im Gegenteil: "Todesschiff" gehört zur Reihe um die Anwältin Dora und ist schon Band 6. Deswegen hat man als Leser der Reihe Doras Familie schon in 5 Büchern kennen gelernt.

    Liebe Grüße
    Anja

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  2. @seitengefluester: Echt? Danke für deine Erklärung!

    Oh man, ich war mir sicher, dass es eher bei "Geisterfjord" einzuordnen ist, weil die Cover sich so ähnlich sind! Die Cover dieser Serie sehen doch ganz anders aus ... den ersten Band davon wollte ich eigtl diesen Monat noch lesen... aber jetzt hab ich iwie keine rechte Lust mehr darauf ...

    lg, Steffi

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  3. @seitengefluester: So, ich hab deine Ergänzungen direkt mal in dem Text ergänzt! :) Danke nochmal!

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  4. Gern geschehen! Ich muss aber sagen, dass ich das vom Verlag auch nicht gerade gut gelöst finde - das sollte deutlicher erwähnt werden, dass man Band 6 einer Reihe liest. Ich kenne so viele, denen es wie Dir gegangen ist und die eben dachten, es sei ein Buch wie "Geisterfjord".

    Ich kann gut nachvollziehen, dass man so gar keinen Bezug zu Dora und ihrer Familie bekommen kann. Das hat sich eben alles so über die ersten fünf Bände entwickelt.

    Liebe Grüße
    Anja

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  5. Echt schade-Geisterfjord war so genial. Dann kann ich mir das Geld wohl getrost für anderes aufheben ;-)

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