Dienstag, 23. April 2013

[Buchvorstellung] Jojo Moyes - Ein ganzes halbes Jahr

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Inhalt:
Louisa Clark führt ein beschauliches Leben in ihrer Heimatstadt: Ihr Job im Café gefällt ihr, mit ihrem Freund ist sie eher aus Gewohnheit zusammen und sie wohnt mit Ende 20 immer noch bei ihren Eltern. Dann verliert sie ohne Vorwarnung ihre Arbeit und muss sich plötzlich ganz neu orientieren...
Will Traynor führt ein Leben auf der Überholspur: Im Job erfolgreich, im Privatleben aktiv, immer auf der Suche nach neuen Abenteuern, bei den Frauen beliebt ... bis zu einem schweren Unfall, nach dem nichts mehr so ist wie zuvor...

Eindruck:
Vom fröhlichen, romantischen Cover und dem nett wirkenden Klappentext habe ich mich etwas fehlleiten lassen: Ich habe eine komplizierte, aber doch vorhersehbare Liebesgeschichte erwartet; und konnte mit dieser Vermutung kaum mehr daneben lieben. Denn "Ein ganzes halbes Jahr" ist so viel mehr: Es ist ergreifend, intensiv, dramatisch, manchmal so lustig, dann wieder unendlich traurig und hat mich dabei zutiefst berührt: Will ist Tetraplegiker und kann sich seit seinem Unfall so gut wie gar nicht mehr bewegen. Dadurch ist er depressiv geworden und hat seinen Lebenswillen fast komplett verloren. Für seine Familie ist Lou, die keinerlei Erfahrung in der Pflege anderer Menschen besitzt, eine Art letzte Hoffnung, Will die Freude am Leben zurückzubringen.

Die Themen, die aufgrund Wills Erkrankung angesprochen und die Fragen, die aufgeworfen werden, sind zugleich höchst brisant wie auch wichtig: Was macht ein Leben lebenswert? Wie schafft man, mit einem solch starken Schicksalsschlag zu leben? Darf man selbst über den Zeitpunkt seines Todes entscheiden? Darf man einen anderen Menschen von diesem Vorhaben abbringen? Oder gar über ihn urteilen? Und dies sind nur einige wenige Fragen, denen man sich im Laufe der Handlung zwangsläufig stellen muss. Denn Jojo Moyes versteht es sehr gut, die verschiedensten Sichtweisen und Meinungen in diese Geschichte hineinfließen zu lassen. Daran merkt man, dass sie sich im Vorfeld sehr intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt hat und dass es ihr wichtig war zu verhindern, dass die Geschichte zu einseitig wird. Auch die Gefühlslage von Wills Familie wird anhand seiner verzweifelten Eltern und seiner Schwester sehr gut beleuchtet. Dabei bleibt die Handlung stets glaubwürdig und man kann sich gut in alle Beteiligten hineinversetzen.

Aber zu Will und Lou selbst: Von dieser Entwicklung möchte ich nicht zu viel verraten. Aber es war einfach schön mitzuerleben, wie sich die beiden langsam näherkommen. Mitzuerleben, wie sich diese distanzierte und unbeholfene Arbeitsbeziehung nach und nach zu einer ganz besonderen Freundschaft entwickelt. Wie sie das Leben des anderen Stück für Stück verändern sowie bereichern. Als Leser wird man dabei auf eine regelrechte Achterbahnfahrt der Gefühle mitgenommen, die einen zum Schluss tief bewegt und nachdenklich zurücklässt. "Ein ganzes halbes Jahr" ist einfach ein besonderes Buch, das sich nicht hinter ähnlichen Geschichten zu verstecken braucht.  


Taschenbuch: 512 Seiten
Verlag: rororo
ISBN-13: 978-3499267031

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